Purkersdorf Online

Heilige Impressionen/Niklas


Autorin und Bibliothekarin Amalia Niklas in der 2. Reihe, Zweite von links

Bereits im kalten Februar mitten im Winter wurde der Plan einer Klöster-Tour erstellt. Der Bibliothekskreis Purkersdorf unter Leitung von Dr. Manfred Bauer einigte sich auf das Datum 15. bis 17. Juni (wann´s wärmer ist) und so konnten Besichtigung, Quartier und Verköstigung fixiert werden. 20 Personen blieben letztlich als effektive Teilnehmer.
2 Sportbusse der Stadtgemeinde wurden mobil gemacht und entrollten am Freitag, dem 15.06. bei freundlich warmem Sonnenschein den steirischen Landen entgegen. Dass die Steiermark als grüne Mark bekannt ist, zeigte sich – auch wenn 12 Tunnels die Fahrt auflockerten. Vorfreude verkürzt die im Ganzen 600 Km lange Reise und pünktlich mit dem 12 Uhr-Läuten fuhren wir im Stiftshof Seckau ein. Zwei eckige Backsteintürme lugten uns entgegen, die Abgeschiedenheit betonend sowie das hohe Alter des Baus. Im naheliegenden Gasthof stärkten wir uns für die erste Besichtigung unserer Tour. Die Benediktinerabtei besteht seit 1150, ist also noch der Romanik zugeordnet, doch machte Brandeinwirkung Erneuerung notwendig. Deshalb finden wir u.a. ein edles gotisches Sternrippengewölbe. Durch Erweiterung nach Jahrhunderten setzt das Barock seinen Stempel auf: Das Stiftsgebäude als solches. Immer wieder erkennen wir Beispiele der Kulturgüter des jeweiligen Zeitalters; sie alle sind „zur höheren Ehre Gottes“ in unseren Kirchen zu finden. – Und ehrfürchtig beten wir – Weihrauch atmend.
Interessant außer dem Ehrwürdigen ist hier die Engelkapelle zu erwähnen; sie wurde in unserer Zeit mit einem Fresko des österreichischen Künstlers Herbert Boeckl geschmückt, das „Seckauer Apokalypse“ heißt;…auch ein Zeitbild.
Das eindrucksvolle erste Ziel unserer Tour verlassend, geht es dem Hauptpunkt entgegen: St. Lambrecht, einen frühsommerlichen Vorabend im Grünen erlebend. In einer weiten Talsenke liegt das Stift eingebettet, beschützt von hauseigenem Fleckvieh auf üppigen Wiesen. Die beiden Zwiebeltürme der Abtei sind rot gedeckt und weithin sichtbar. Auch an seiner Fassade ist die Barockzeit eingeschrieben – die weitläufigen, steinernen Gänge kühlen die Sommerglut der Besucher, machen sie aber noch mehr müde. Ein junger Pater – Herrn Dr. Bauer bekannt – empfängt uns und überreicht die schweren Schlüssel für unsere „Zellen“ – weit gefehlt: Dem modernen Gedanken angepasst, erhält jeder Besucher ein Appartement zugeteilt – also Komfort pur.
Mein Zimmer liegt im Extrahaus Convikt; ich kann die Fenster der Sonne entgegen öffnen und blicke auf eine üppige Wiese voller Margeriten. – Der harmonische Klang der Abteikirchenglocken ruft mich zur Gesellschaft zurück. Ich steige die alten Stufen hinab in den gepflegten Innenhof in Richtung Speisesaal im Haupthaus. Für unsere Reisegruppe ist ein langer Tisch ausersehen und zwanglos setzen wir uns. So kommen wir allmählich mit allen Teilnehmern ins Gespräch. Ich höre von allen nur Gutes über den bisherigen Verlauf. Allgemeine Verlautbarungen darf ich natürlich nicht überhören.- Es schließt sich eine kurze Abendandacht in der Stiftskirche an; für uns ein Dankesgebet. Ohne feste Ordnung können wir den Abend verbringen; jeder ist sichtlich müde von den Eindrücken und der Ruhe bedürftig.
Bereits um halb 7 Uhr des nächsten Morgens finden sich viele Purkersdorfer zur Morgenandacht vor dem Hochaltar der Basilika ein. Der Morgen ist wohl kühl, doch verspricht es ein warmer Tag zu werden. Nach dem fröhlichen Frühstück ist später eine Besichtigung des gesamten Klosters vorgesehen: Handschriftenbibliothek, ornithologische Sammlung und Ikonenmalerei. Ein kurzer Spaziergang in den Ort rundet den Vormittag ab und der Speisesaal ist für uns bereit. Hernach halte ich eine Mittagspause, aus welcher ich von lustiger Blasmusik aufgescheucht werde. Zu Füßen meiner steinernen Stiege formieren sich muntere Einheimische: Alle in den schönsten, langen Trachtendirndln; die Burschen tragen kurze oder Knie-åbi-Lederhosen oder Steireranzüge, zwei schottische Kilt-Träger sind auch dabei, im Umfeld einer weißen Braut. Also eine Hochzeit in der Stiftskirche! Man kann sich vom Glockenklang begleitet dem Hochzeitszug anschließen. Ich tue es und bleibe bis zum ersten Abschnitt der Hochzeitszeremonien. – Dies ist auch ein beglückendes Erlebnis und erinnert mich einmal mehr an meine eigene Hochzeit vor fast 60 Jahren in St. Wolfgang.
Mit meiner Freundin Renate, die mich auf der Klöster-Tour begleitet, wandere ich etwas auswärts zum kleinen Weiler des Ortes. Geruhsam kann man hier um das Gewässer spazieren und den prächtigen Forellen zusehen. Rückkehrend besuchen wir den stiftlichen Natur- und Heilgarten. Ein gepflegtes Anwesen mit Kräuter- und Blumenarrangements.
Die Abendandacht findet uns hoch oben auf der Empore – dem Convent – nur mit besonderer Führung dürfen wir dies betreten.
Beim anschließenden Abendessen empfängt uns wieder Geselligkeit. Die Mahlzeit dauert diesmal lange und die Gruppe entschließt sich, weil es noch quasi früh am Tage ist, noch etwas zu unternehmen. So treten wir vor die Stiftspforte, überqueren den Platz und landen im kleinen Cafe „Literatureck“, in dessen Vorgarten wir fabelhaftes Eis schlemmen und sozusagen „den Herrgott einen guten Mann sein lassen“. Es wird bis 10 Uhr abends, dass wir uns entschließen zu gehen. Ich begleite meine Freundin in ihr Logis; ich selbst muss noch die steile Treppe erklimmen zum Convikt-Haus. Eine freundliche Purkersdorferin im Alter meines jüngsten Sohnes begleitet mich.
Der kühle Sonntagmorgen lässt mich aktiv werden, denn um 9 Uhr sollen die Koffer startbereit vor der Bustüre stehen. – Diesmal erspare ich mir die Morgenandacht, frühstücke ausgiebig und eile über die großen Steinplatten der Stiftskirche entgegen. Ein Männerchor, in Schwarz gekleidet, reiht sich hinter dem Volksaltar. Aus der Sakristei kommen ehrfürchtig schreitend Ministranten, dahinter folgen in goldenen Gewändern ein Diakon, dann der Abt des Stifts und ein Gastpriester. Sein helmartiger Kopfschmuck macht es mir bewusst: Wir erleben eine griechisch-orthodoxe Messfeier. Der Seelsorger wendet sich den Gläubigen zu und erklärt die ökumenische Feierlichkeit, welche in deutscher Sprache gehalten wird. Chöre, Gebete, Lesungen sind uns geläufig – einzig bei der Kommunion erleben wir eine Änderung: Mit vor der Brust gekreuzten Armen, den Vornamen nennend, haben wir vor den Priester zu treten; er nimmt aus dem Hostienkelch kleine Weißbrotwürfel, tunkt sie in den geweihten Wein und legt ihn jedem auf die Zunge; dabei spricht er für unseren Taufnamen ein kurzes Gebet. – Ich empfinde dies als eine besonders feierliche Handlung. Weitere Gesänge und Gebete beschließen würdig diesen Gottesdienst. Vor der Kirche empfängt uns katholische Jugend mit einer Agape. Auch dies ein Erlebnis besonderer Art!
Im gepflegten Vorgarten der Abtei zu wandeln lässt uns nach dem Mittag den Abschied nicht leicht werden.

Dann reisen wir wieder per Bus ins grüne Land – diesmal eigentlich bereits Richtung Heimat. Die fröhliche Landschaft wird leider allmählich düster: Drohende Wolken und Wind. Aber Wetterunbillen stören unseren tapferen Buslenker nicht, wir schaffen es, zeitgerecht unser letztes Ziel anzusteuern: Stift Heiligenkreuz. Dass wir inzwischen das Bundesland Steiermark verlassen und unsere Heimat Niederösterreich erreicht haben, ist uns Pilgern – die wir eigentlich sind – gar nicht zu Bewusstsein gekommen.
Das Zisterzienserstift - in weiter Talsohle gelegen – wurde 1133 gegründet. Auch hier bewundern wir den ehrwürdigen Bau mit den barocken Zwiebeltürmen, die der romanischen und gotischen Bausubstanz aufgesetzt wurden. Die Vesper lässt uns vergessen, wie viele Jahre seit der Entstehung dieses Hauses vorüber gezogen sind. Singende Mönche im weißen Habit versetzen uns mit eindrucksvollen Psalmodien im gregorianischen Choral in diese Zeit.
Abermals danken wir für diese Erbauung!
Wir konnten Kraft schöpfen aus 1000-jähriger Kultur.
Stille Einkehr mit bewegtem Abschluss.

Amalia NIKLAS

 


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Letzte Änderung: 2012-06-29 - Stichwort - Sitemap