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Porträt Hildegard Humplik Jone


Hildegard Humplik Jone, geborene Hildegard Klara Huber, (*1. Juni 1891 in Sarajewo, + 28. August 1963 in Purkersdorf) war eine österreichische Lyrikerin und Malerin.

Hildegard Humplik Jone, Tochter des Architekten Ludwig Huber und seiner Gattin Amelie (geb. Gräfin Deym), besuchte nach der Übersiedlung ihrer Familie von Sarajewo nach Wien die Wiener Kunstschule für Frauen und Mädchen. Bereits als Schülerin entfaltete sich ihr bildnerisches und literarisches Talent. Ihre ersten Gedichte veröffentlichte sie im Jahr 1918 in Wiener Zeitungen. In dieser Zeit legte sie sich auch den Künstlernamen Jone zu.

Sie verkehrte in den ersten Jahren nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in Wiener Literatenkreisen, wo sie u.a. > Peter Altenberg und > Karl Kraus kennen lernte, die die künstlerische Arbeit der jungen Lyrikerin förderten. Karl Kraus wurde zu ihrem geistigen Fokus, der Jones ethisches Sprachbewusstsein formte, das sich später im Austausch mit dem Sprachphilosophen > Ferdinand Ebner zu einem religiös fundierten Sprachvertrauen entwickelte.

Von 1917 bis 1920 nahm sie als Privatschülerin Unterricht beim Bildhauer und Maler > Josef Humplik, den sie 1921 in Wien ehelichte. Kurz nach der Hochzeit übersiedelte das frisch vermählte Paar nach Ried im Innkreis/Oberösterreich.
Hildegard Humplik Jone wandte sich jetzt neben ihrer literarischen Tätigkeit auch der Malerei, der Bildhauerei sowie der Grafik zu und organisierte gemeinsam mit ihrem Gatten mehrere Gemeinschaftsausstellungen. So partizipierte das damals noch unvermählte Künstlerpaar erstmals 1919 gemeinsam an der ersten Ausstellung der „Neuen Vereinigung Malerie-Plastik-Graphik“ in Wien, die im gleichen Jahr in den avantgardistischen > „Hagenbund“ aufging, der bis zu seiner Auflösung 1938 Hildegard Jones zentraler Ausstellungskontext blieb.
Jone positionierte sich zunächst als expressionistische Künstlerin, erst Mitte der 20er Jahre fand ihre Hinwendung zu einem christlich katholischen, später zu einem mystisch-religiösen Selbstverständnis statt
1926 lernte sie im Rahmen einer Hagenbund – Vernissage den Komponisten > Anton von Webern kennen. Zwischen Jone und von Webern begann eine Freundschaft, die sich in den Folgejahren vertiefen sollte. Der Komponist lud die Lyrikerin ein, Texte für seine Kompositionen zu schaffen, sodass ab dem Jahr 1932 Weberns Lieder und Kantaten ausschließlich nach Gedichten und Texten von Humplik Jone entstanden.
 
1941 schrieb ihr Webern: „Wie mich Deine Gedanken bewegen, ist für mich auf diesem Weg schwer zu sagen, aber vielleicht tut es doch im gegebenen Fall einigermaßen meine Musik…“(aus dem „Briefwechsel zwischen Jone und Anton von Webern“, Humplik Jone – Archiv Purkersdorf).
Die Vertonung durch Anton von Webern machte seine Librettistin weltberühmt, doch konnte dies wenig am Umstand ändern, dass das Ehepaar Humplik in ständiger Armut lebte, zumal Josef Humpliks Versuche, einen Lehrauftrag an der Akademie der Bildenden Künste in Wien zu erlangen (das Ehepaar hatte sich 1934 in Purkersdorf angesiedelt), stets gescheitert waren, und auch die Tantiemen aus den Werken Weberns zu unergiebig flossen.
 
Jones nach 1945 forcierte Verlagsinitiativen um ihr Werk blieben bis auf den im Wiener > Herderverlag publizierten Band „Anima. Gedichte des Gottesjahres“ ergebnislos; indes fand ihre lyrische Arbeit in den 50er Jahren Eingang in zahlreiche Anthologien.
Hildegard Humplik Jone überlebte Josef Humplik um fünf Jahre. Sie starb als Fürsorgeempfängerin am 28. August 1963 im > Sanatorium Purkersdorf. Der Stadtgemeinde Purkersdorf vermachte sie ihren Nachlass, darin eingeschlossen einen Teil des musik- und literaturhistorisch wertvollen Briefwechsels zwischen ihr und Anton von Webern.
 
Das >Stadtmuseum Purkersdorf gewährt im Rahmen einer Dauerausstellung im >Humplik-Jone-Raum vertiefte Einblicke in die Werke von Hildegard Humplik Jone und Josef Humplik. Am Steindenkmal des Gedächtnisortes zur Erinnerung an die Opfer des Weltkrieges am Purkersdorfer Friedhof prangt ein Gedicht von Jone:
 
Alle Zeiten macht das Kriegen
viel zu früh im Grabe liegen.
Würden alle Frieden geben
hätten freudig sie das Leben.  

mb


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Letzte Änderung: 2012-07-12 - Stichwort - Sitemap