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23. April: Welttag des Buches


23. April: Welttag des Buches und des Copyrights

Von Manfred Bauer

 

Im Jahr 1995 hatte die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) auf Antrag Spaniens den 23. April zum „Welttag des Buches“ sowie des Urheberrechts erklärt.

Seinen Ursprung hat der Feiertag für das Buch in einer katalanischen Tradition: Zum Namenstag des Volksheiligen Sant Jordi (Sankt Georg) schenkten die Menschen einander Rosen, seit 1920 werden auf Initiative der Büchergilde von Barcelona zusätzlich zu den Rosen auch Bücher verschenkt.

Die UNO – Organisation beabsichtigte mit der Proklamation des Welttages des Buches sowie

des Copyrights, einen maßgeblichen Beitrag zur globalen Leseförderung zu leisten. Außerdem wollte sie damit ihr Konzept einer "universellen Bildung als Basis für nachhaltige Entwicklung" weltweit in die nationalen Bildungssysteme einprogrammieren.

Sie folgte damit den Empfehlungen der UNESCO-Weltkulturkonferenz „Mondiacult“ des Jahres 1982, die in Mexiko stattfand, und die unter anderem die Ablöse eines elitär konnotierten Kulturbegriffs forderte. Vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsländern will die UNO „Kultur und Bildung für alle“ als eine der Voraussetzung für eine nachhaltige soziale und kulturelle Entwicklung festschreiben.

Ein Blick auf die objektiven globalen Verhältnisse zeigt indes, dass die Initiativen und Projekte der UNESCO, so bemüht und unterstützenswert sie auch sein mögen, bis dato nicht die beabsichtigten Effekte zeitigen konnten: Der hegemoniale Anspruch eines westlich dominierten, an Kommerz und elitären Wertmaßstäben orientierten Kulturbegriffs wurde längst in Schwellen- und Entwicklungsländer exportiert, wo er z. T. postkoloniale Produktions- und Reproduktionskraft entfaltet. Internationaler Kultur- und Wissenschaftsaustausch benachteiligt nach wie vor die Entwicklungsländer, die Verwertung von Patenten und Urherberrechten ist weniger solidarisch- als kommerzorganisiert. 

Freilich gelang es, einige kleine Fortschritte zu erzielen: So ist etwa die Zahl der Analphabeten in den letzen 15 Jahren von knapp einer Milliarde Menschen auf knapp 800 Millionen Menschen zurückgegangen. Diese Reduktion ist laut UNESCO vor allem auf Fortschritte in China zurückzuführen, wo ein signifikanter Rückgang um etwa 100 Millionen zu verbuchen ist.

Doch nach wie vor zählen Lesen und Schreiben in sehr vielen Ländern dieser Welt zu den Bildungsprivilegien, denn in der marktwirtschaftlichen Weltgesellschaft sind Bildungs- und Lebenschancen von Kindern und Jugendlichen und damit das Menschenrecht auf Bildung unverändert an die soziale Herkunft gebunden.

Der Welttag des Buches, der  vom österreichischen Buchhandel mit der Herausgabe einer Anthologie begangen wird, ist eine gute Gelegenheit, sich diese Verhältnisse wieder auf den persönlichen Radarschirm zu holen.

 

 

 

 

 

 


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Letzte Änderung: 2010-04-23 - Stichwort - Sitemap