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Die Westbahn in Purkersdorf
Entwicklungsader und Herausforderung für die Stadtplanung

Dr. Christian Matzka

Orts- und Stadtentwicklung entlang der Westbahn 

Der Bahnbau

Der Bau der k. k.  privilegierten Kaiserin Elisabeth Westbahn bedeutete für den Wienerwaldort Purkersdorf den Anbruch einer neuen Zeit und einer rasanten Ortsentwicklung. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz und damit an die große weite Welt schuf die Voraussetzung für die Entwicklung zu einem regionalen Zentrum im Westen von Wien. Gleichzeitig damit einhergehend endete aber die Bedeutung Purkersdorfs als erste bzw. letzte Poststation vor Wien. Damit war die Stellung als Transitort der Weltgeschichte, wodurch viele berühmte Personen gezwungener Maßen in Purkersdorf halt machten, beendet. Ab 1858 fuhren die Kaiser, Könige, Minister, Industrielle, Künstler und alles was Rang und Namen hatte in den Schnellzügen durch Purkersdorf durch. Den Purkersdorferinnen und Purkersdorfern blieb das Warten auf den Zug und das Winken, wenn bekannte Persönlichkeiten im Zug durch den Ort reisten.

Nach umfangreichen Bauarbeiten zwischen 1856 und 1858 konnte die Westbahn am 15. Dezember 1858 auf der Strecke Wien – Linz dem Verkehr übergeben werden.

Der Anschluss an die internationalen Entwicklungen war und ist für Purkersdorf seit damals mit dem Wehmutstropfen verbunden, dass die Eisenbahn mitten durch das Ortszentrum über den Hauptplatz trassiert wurde. Andererseits ist somit Purkersdorf der einzige Ort an der Westbahn, wo die Bahn direkt über den Hauptplatz fährt und somit ein großstädtisches Gefühl des Lokalverkehrs entstehen lässt. Die Trassenführung durch den Wienerwald erfolgte aus strategischen Gründen. Die Einsatzschussweite der damaligen Kanonen war zu gering um die Bahn im Wienerwald vom linken Donauufer aus zu erreichen. Dies wirkte sich im Krieg von 1866 gegen Preussen aus, da die österreichischen Truppen ohne Feindeinwirkung auf den nördlichen Kriegsschauplatz transportiert werden konnten.

Auch die Planung im Ort war umstritten. Die noch junge lokale Gemeindeverwaltung war unglücklich mit der Planung und erhoffte die Durchsetzung der Trasse nördlich des Ortskerns.  Auf Grund der Anlage als Gebirgsbahn, es müssen von Wien-Westbahnhof 193 Höhenmeter bis zum Wienerwaldhauptkamm in Rekawinkel auf einer Länge von 25 Kilometern überwunden werden, erfolgte die Trassierung durch das Zentrum. Um durch die Mündung des Gablitztales die Berglehne Richtung Sagberg zu erreichen war es notwendig die Trasse im Zentrum zu planen. Die persönlichen Interessen der Landgräfin Fürstenberg waren die Ursache für die Trassenführung über den Hauptplatz (Schlintner, 2002). Dabei erfolgte die Trockenlegung eines Wienfluss Armes, dessen Bachbett die Bahntrasse im Zentrum beim heutigen Rathaus wurde. Es war ein großer Eingriff in das Ökosystem des Ortes und hatte sicherlich großen Einfluss auf die Grundwasserströme zwischen Gablitzbach und Wienfluss.

Für die lokale Wirtschaft brachten die Arbeiter Umsätze in den Gastronomiebetrieben, es florierte die Purkersdorfer Ziegelei und Steinbrüche, wie in der Wintergasse, wurden angelegt. Gleichzeitig war es das Ende für die vielen Huf- und Wagenschmieden, die ihren Betrieb stilllegten. 

Die Ortsentwicklung nach dem Bahnbau

Die Entwicklungen des neunzehnten Jahrhunderts fanden auch ihre Abbildungen in Purkersdorf. Die rasante Bevölkerungsentwicklung dieser Zeit ist auch in Purkersdorf zu beobachten. Verstärkt wurde diese Entwicklung durch die Lebensader Eisenbahn, die es schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts ermöglichte zwischen Wien und Purkersdorf zu pendeln. Die Bevölkerung stieg von 1423 Einwohnern im Jahre 1869 auf 3733 Einwohner im Jahre 1910 an. Ebenso stieg die Zahl der Häuser von 169 auf 410 im Zeitraum von 1869 bis 1910 (Matzka, 1985). Einerseits waren dafür die hohe Geburtenrate und die sinkende Sterberate in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dafür verantwortlich, andererseits entwickelte sich Purkersdorf zu einem Wohnort im Nahbereich der Großstadt. Die Entfernung zwischen Wien-Stephansplatz und Purkersdorf beträgt lediglich 17 Kilometer. Durch die Eisenbahn konnte dies schneller überwunden werde. Neben den Zuwanderern, die sich auf Dauer in Purkersdorf niederließen, entwickelte sich der Wienerwaldort zu einem Refugium für Touristen, die Purkersdorf in den Sommermonaten zu ihrem Wohnsitz wählten. Viele Sommervillen entstanden in den zentrumsnahen und Bahnstation nahen Lagen, wie in der Wintergasse, Bahnhofstraße, Linzerstraße, Fürstenberggasse, Pummergasse, Wienerstraße. In diesen Häusern wurden auch Sommerwohnungen vermietet. Mehr als 50 Prozent der Wohnungen waren um 1910 Mietwohnungen, die im Sommer angeboten wurden (Matzka 2007). Die Bevölkerung verdoppelte sich in den Sommermonaten. Dies war die Geschäftsgrundlage für viele Gastronomiebetriebe und Einzelhandelsgeschäft im Ort. Durch den aufkommenden Wintersport wurde Purkersdorf ab 1890 auch ein Wintersportort, der sogar in den österreichischen Wintersportführern erwähnt wird (Matzka, 2007). Purkersdorf war aber auch das Ziel von tausenden Tagesausflüglern, die die ab den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts vom Verschönerungsverein Purkersdorf angelegten Wanderwege benutzten und somit die Natur um Wien eroberten. Die Eröffnung der Rudolfswarte 1861 und der Troppbergwarte 1870 waren volksfestähnliche Ereignisse, zu denen die Touristen mit Sonderzügen der Westbahn anreisten. Die Bedeutung des Tourismus zeigt sich darin, dass der langjährige Obmann des Österreichischen Touristenklubs Anton Silberhuber in Purkersdorf wohnte und auch eine zeitlang dem Purkersdorfer Gemeinderat angehörte.

Durch den Tourismus und die damit zusammenhängenden Einnahmen konnte die Infrastruktur des Ortes ausgebaut werden. Aber auch geschickte Grundstückstransaktionen waren die Grundlage so mancher Gemeindevorhaben. So erfolgte 1875 die Eröffnung des neuen Schulhauses, das 1899 nach der Eröffnung der Bürgerschule in der Aloys Mayer Gasse zum Rathaus umfunktioniert wurde. Die Errichtung eines Elektrizitätswerkes ermöglichte die Errichtung der ersten öffentlichen elektrischen Beleuchtung in der gesamten Region.

Die Bahnstationen wurden zu Destinationen, da diese verkehrsgünstigen Standorte die räumliche Mobilität erst möglich machten. Neben den Bahnhöfen entstanden Hotels und Gasthäuser, die von den Touristen genutzt wurden.

Die Entwicklung als Wohnort im Nahbereich der Großstadt hat damals begonnen und entwickelte sich nach dem zweiten Weltkrieg weiter. Nach dem Umbau des Stadtzentrums in den 1980er Jahren verstärkte sich die Zuwanderung. Die Nähe zur Großstadt und die Lage mitten im Wienerwald sind nach wie vor die Parameter, die, wie im 19. Jahrhundert, Purkerdorf als Wohnort attraktiv machen. 

Die Bahn in Purkersdorf

Beim Bau der Westbahn entstand der Bahnhof Purkersdorf, heute Unter-Purkersdorf. Mehrere Jahre blieb dies die einzige Bahnstation auf Purkersdorfer Gemeindegebiet. Im Jahre 1858 lag der Bahnhof außerhalb des Stadtzentrums. Die Bahnhofstraße war die Verbindungsachse in den Ort. Grundstücksfragen mit Grundbesitzern wie der Landgräfin Fürstenberg verhinderten den Bahnhofsbau in Zentrumsnähe. Der Bahnhof, bis heute achtgleisig hatte eine große Bedeutung in der Versorgung der Region. Busverbindungen von Purkersdorf nach Gablitz und Sieghartskrichen gaben dem Bahnhof regionale Bedeutung. Eine große Leistung vor dem Ersten Weltkrieg war der Anschluss von Purkersdorf an das Wiener Stadtbahnnetz. Es wurden die Nahverkehrsgleise bis Hütteldorf gebaut und die Möglichkeit geschaffen, von Purkersdorf direkt bis zum Praterstern zu fahren. Durch die Abtrennnung Wiens von Niederösterreich und dem Verkauf der Stadtbahn an die Gemeinde Wien nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte die Trennung der Stadtbahn von der Westbahn. Der „Pendler“ verkehrte als Nachfolge bis 1972 zwischen Hütteldorf und Unter-Purkersdorf. Die Neuerungen im Fahrplan 2008/09, die Intervalle zwischen Unter-Purkersdorf und Hütteldorf zu verdichten, schließen an diese historische Zeit an. Bis heute ist es nicht gelungen, den Zustand vor dem Ersten Weltkrieg, die direkte Anbindung an das Wiener Verkehrsnetz, wieder herzustellen. Die große Halle des Bahnhofes, als Endstelle der Wiener Stadtbahn brannte Anfang der 1950er Jahre ab. In den letzten zwanzig Jahren verlor der Bahnhof immer mehr an Bedeutung. Die Güterabfertigung wurde geschlossen, viele Züge halten nicht mehr in Unter-Purkersdorf und der Verschub der Güterzüge hat sich zur Freude der Anrainer nach Wien-Kledering verlagert. Große Hoffnung wird in die Fertigstellung des Wienerwaldtunnels gesetzt. Der Bahnhof wird verkleinert, Flächen sollen frei werden und ein neues Stadtviertel könnte entstehen. Einher mit dem Bedeutungsverlust geht auch der Verlust der zentralörtlichen Funktion von Unter Purkersdorf. Von einem ehemaligen Kleinzentrum mit Geschäften und Gasthäusern ist wenig geblieben. Eine Neubelebung als Subzentrum wäre eine dringliche Aufgabe der Stadtplanung.

In den 1870er Jahren war der Wunsch nach weitern Haltestellen formuliert worden. Die Ursache dafür war die Bedeutung des Ortes als Tourismuszentrum, der Wunsch nach einer zentrumsnahen Bahnstation und der Wunsch vieler Grundstücksspekulanten, durch eine neue Bahnstation Wiesen für Sommerviellen aufschließen zu können. So erfolgte die Errichtung der Station Kellerwiese, heute Purkersdorf-Gablitz, und der Station Tullnerbach, heute Unter-Tullnerbach. Die Kellerwiese entwickelte sich zu einem Vergnügungszentrum mit Tanzsaal, Gasthaus, Ringelspiel und einem Tennisplatz. Die Nähe zur Bahnstation war eine Voraussetzung dafür. Die Station Unter Tullnerbach entstand auf Wunsch der Anrainergemeinden. Die Gemeinde Purkersdorf verpflichtete sich zu finanziellen Beiträgen bei der Errichtung der Aufgänge zu der hoch über dem Wiental gelegene Station. Erst durch diesen Bau konnten die Mindersiedlung und die Villensiedlung am Sagberg entstehen. Das Sanatorium Purkersdorf, weltberühmt durch den Bau von Josef Hoffmann, war ein früher Wellnessbetrieb, in dem finanzkräftige Schichten zur Kur weilten. Die Bahnstation wurde noch vor dem Ersten Weltkrieg als Station Unter-Purkersdorf, heute Purkersdorf-Sanatorium errichtet. Somit ist seit dem Ersten Weltkrieg keine neue Bahnstation mehr errichtet worden. Die Forderung, eine Bahnstation in Neu Purkersdorf zu errichten, wird seit Jahrzehnten von unterschiedlichen Gruppen erhoben, konnte aber bis heuet nicht realisiert werden. Diese Lücke zwischen Unter Tullnerbach und Purkersdorf-Gablitz zu schließen, wäre auch für die innerstädtische Verkehrserschließung von Purkersdorf notwendig.

Insgesamt befinden sich bis auf die neu gebaute Station Purkersdorf- Sanatorium die Bahnhöfe in einem Zustand der Erwartungshaltung zuküftiger Reviatlisierungs- maßnahmen. Fehlendes Personal vor Ort, oftmals fehlende sanitäre Einrichtungen, zu wenig Kassenautomaten erschweren oft die Benützung. Durch die Umstellung auf Rechtsverkehr Ende der 1980er Jahre sind auch die Bahnsteige für die Züge in Richtung Wien zu schmal. Ein Umbau wäre notwendig. Die Station Purkersdorf-Gablitz frequentieren täglich mehr als 2000 Personen, die nach Wien oder St. Pölten reisen. Der volle Bahnsteig, besonders in den Morgenstunden, ist eine Gefahrenquelle, denn die Züge fahren mit mehr als 100 km/h durch die Station. In Kooperation mit der Stadtgemeinde Purkersdorf wird der Bahnhof gereinigt und somit ein Beitrag zur Erhaltung der Station geleistet.   

Mehrere beschrankte Bahnübergänge ermöglichten über viele Jahrzehnte nur zu kurzen Zeiten ein Überwinden der Barriere Bahn innerhalb des Stadtgebietes von Purkersdorf. Es ist in den letzten dreißig Jahren gelungen, diese Übergänge zu schließen und durch Fußgänger und/oder befahrbare Unterführungen und Überführungen zu ersetzen. Gegenwärtig bestehen zwölf Möglichkeiten die Eisenbahn in Purkersdorf gefahrlos zu über- und unterschreiten. Eine ständige Verbindung der Ortsteile beiderseits der Eisenbahn ist somit gelungen und die Eisenbahn wird weniger als den Ort teilend erlebt.

Die Bahn wird und wurde oft als Lärmbelästigung empfunden. Durch die Enge des Wientals ist die Bahn fast überall in Purkersdorf zu hören. Jede Open Air Veranstaltung wird von den vertrauten Bahngeräuschen begleitet. Um dieses Problem in den Griff zu bekommen, werden entlang der Eisenbahn Schallschutzwände errichtet. Die Bahn damit unsichtbar gemacht, aber ein weiteres Feld der Stadtplanung eröffnet. Um den Blick auf Hauptplatz und Kirche zu erhalten, kann im Zentrum keine Schallschutzmauer errichtet werden. Diesen historisch bekannten Blick auf den Hauptplatz zu erhalten, ist ein Ziel der gegenwärtigen Planungen. Auch entsteht eine optische Teilung des Ortes, da jetzt Mauern zusätzlich zur Bahntrasse den Ort teilen. 

Fahrpläne – Tarife

Seit mehr als zwanzig Jahren besteht der Verkehrsverbund Ostregion. Damit wurde ein Tarifzonensystem geschaffen, das den östlichen Teil der Gemeinde Purkersdorf an die Kernzone der Stadt Wien anschließt, reicht doch die Kernzone Wien bis zur Station Purkersdorf-Gablitz. Der Wohnort im Zentrum oder in anderen Stadtteilen von Purkersdorf schlägt sich in höheren Fahrtkosten nieder, da die erste Außenzone bezahlt werden muss. Daher entstand die Forderung nach einer Ausdehnung der Kernzone bis zur Station Purkersdorf-Gablitz.

Zur Zeit des Bahnbaues war die Fahrt mit der Eisenbahn einteures Vergnügen, das sich nur finanzkräftige Schichten leisten konnten. Erst mit den Tarifreformen der 1890er Jahre erfolgte eine Reduzierung des Fahrpreises auf mehr als die Hälfte zur Zeit der Inbetriebnahme der Westbahn im Jahre 1858. Dies brachte einen Massenansturm auf das Verkehrsmittel und eine Möglichkeit des Tagespendelns nach Wien, so wie das heute viele Purkersdorferinnnen und Purkersdorfer täglich tun.

Durch den Bau des Park and Ride Parkplatzes Ende der 1980er Jahre bei der Kellerwiese neben dem Bahnhof Purkersdorf-Gablitz erfuhr diese Station eine Aufwertung. Viele Regionalzüge halten hier und sogar ein Regionalexpress gibt der Station im Zentrum von Purkersdorf die Ehre.

Interessant ist ein Vergleich der Fahrpläne von einst und heute. Im Jahre 1876 fuhren lediglich neun Züge pro Tag von Purkersdorf nach Wien. Die Fahrzeit betrug dreißig Minuten. Im Jahre 2008 sind es über fünfzig Verbindungen täglich von Purkersdorf nach Wien. Die Fahrzeit beträgt gegenwärtig bei Schnellbahnverbindungen zwanzig Minuten. Viele Kunden der Bahn erleben und bedauern es, dass diese Fahrzeit selten eingehalten wird und meistens längere Fahrzeiten zu veranschlagen sind. Zur Zeit des Baues der Eisenbahn betrug die Fahrzeit von Purkersdorf nach Wien dreißig Minuten. 

Der Hauch der großen weiten Welt

Als Ort an der Reichsstraße war man in Purkersdorf seit jeher gewohnt, internationale Reisende im Ort zu erleben. Die Eisenbahn brachte den Hauch der weiten Welt weiterhin in den Ort. Als Bahnfreund und Beobachter der Szene konnte man die Schilder mit den Destinationen der Züge betrachten. Berühmte Züge, wie der Orient Express, Arlberg Express, Wiener Walzer oder Transalpin fuhren und fahren täglich durch Purkersdorf. Millionen von Reisenden konnten im Zentrum den Blick auf den Hauptplatz richten. Um 1910 verkehrte ein Aussichtswaggon einer internationalen Gesellschaft auf der Strecke von Innsbruck nach Wien, der auch die Reisenden durch Purkersdorf transportierte.

Auch der erste international geführte Arlbergexpress nach Ende des Zweiten Weltkrieges fand seinen Weg nach Wien am 13. Oktober 1945 durch Purkersdorf. Die Teilung und die Isolation der östlichen Teile Österreichs waren damit zu Ende gegangen (Österreichische Volksstimme 60, 14. 10. 1945).

Nach wie vor fasziniert der Gedanke, in Purkersdorf die Bahn zu besteigen und eine Bahnreise nach China zu beginnen. Somit wäre eine direkte Verbindung Purkersdorf – Peking jederzeit möglich. Vielleicht wird es einmal diese Möglichkeiten geben und das Reisen mit der Bahn wieder stärker als Erlebnis empfunden. 

Die Zukunft der Bahn in Purkersdorf

Trotz vieler Kritik ist Purkersdorf ohne Eisenbahn nicht vorstellbar. Die Stadtentwicklung wäre so nicht möglich gewesen und auch die Entstehung eines Wohnvorortes erst im Automobilzeitalter ab den 1960er Jahren denkbar gewesen. Die Eisenbahn brachte die moderne Zeit in den Wienerwald und war die Ursache für die touristische Entwicklung. Im Nahverkehr wird seit vielen Jahren die Diskussion nach einer Verdichtung der Verbindungen geführt. Für die Zukunft hoffen viele Menschen, dass die Eisenbahn ein verlässliches und modernes Nahverkehrsmittel wird. Diese Hoffnungen werden durch den Bau der neuen Westbahn durch das Tullner Feld genährt. Ein fünfzehn Minuten Takt ist anzustreben, der die Reisenden direkt zu den innerstädtischen Verkehrsmitteln in Wien bringt.

Die wahrscheinlich frei werdenden Flächen im Bereich des gegenwärtigen Bahnhofs Unter-Purkersdorf bieten die Chance für die Entwicklung eines neuen Stadtviertels, das in Kooperation mit den Österreichischen Bundesbahnen entstehen sollte.

Purkersdorf und die Westbahn ist eine einhundertfünfzig jährige Geschichte mit Höhen und Tiefen. Die Zukunft lässt auf ein leistungsfähiges Verkehrsmittel für den Nahverkehr hoffen, das Purkersdorf sowohl an Wien als auch an den Raum St. Pölten anschließt.

Literatur

Dienes, Gerhard M. (Hsg.): Die Südbahn (Graz/Wien 1987).

Fuchs, Martin: Bergbahnen im Wienerwald (Wien 2002).  

Gutkas, Karl: Bahnbrechende Mobilität. Die wirtschaftliche und soziale Bedeutung der Eisenbahn. In: Linke, Reinhard und Schopf, Hannes (Hg.): Zug um Zug, 1x Marchfeld       und retour (St. Pölten/Wien 1987) 123–131.

Heinersdorff, Richard: Die k. u. k. privilegierten Eisenbahnen der österreichisch-ungarischen Monarchie 1828-1918 (Wien/München/Zürich 1975).

Linke, Reinhard und Schopf, Hannes (Hg.): Zug um Zug, 1x Marchfeld und retour      (St. Pölten/Wien 1987).

Matzka, Christian: Wohnbaupolitik und Wählerstruktur in der Wienerwaldstadt Purkersdorf (Dipl. Arbeit Wien 1985).

Matzka, Christian: Tourismus im Wienerwald (1850-1914). Die Entstehung einer Freizeitregion vor den Toren der Großstadt, vom Bau der Eisenbahnen bis zum Ersten Weltkrieg (St. Pölten 2007). = Studien und Forschungen aus dem Niederösterreichischen Institut für Landeskunde Band 42 = NÖ Schriften 162 Wissenschaft 

Matzka, Christian: Eine Eisenbahn durch den Wienerwald - Die projektierte normalspurige Eisenbahn Rekawinkel-Hainfeld. In: Unsere Heimat, Jg. 77, 1-4 (2006) 69-80.  

Matzka, Christian: 40 Jahre Stadterhebung. Purkersdorf 1967-2007 (Purkersdorf 2007).   

Sandgruber, Roman: Eisenbahnzeit. Das Jahrhundert der Bahn. In: Linke, Reinhard und Schopf, Hannes (Hg.): Zug um Zug, 1x Marchfeld und retour (St. Pölten/Wien 1987)         132–139.

Sandgruber, Roman: Wir fahren mit der Eisenbahn. Das Jahrhundert der Bahn. In: Beiträge zur historischen Sozialkunde 17 (1987) 41–45.

Schivelbusch, Wolfgang: Geschichte der Eisenbahnreise, zur Industrialisierung von Raum und Zeit im 19. Jahrhundert (München/Wien 1977).

Schlintner, Kurt: Stichwort Purkersdorf. Die Wienerwaldstadt von A-Z (Purkersdorf 2003).  

Trumler, Gerhard und Wagner, Christoph: Stationen der Erinnerung. Kultur und Geschichte in Österreichs alten Bahnhöfen (Wien 1998).

Österreichische Volksstimme, Nr. 60, 14. 10. 1945.

Vocelka, Karl : Geschichte Österreichs. Kultur–Gesellschaft–Politik (Graz/Wien 2000).


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