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Anton Wildgans Weg

Christian Matzka

Erich Liehr
 

1. Tafel (vor dem Haus Sagbergstraße 48)

Bild von Anton Wildgans

Der Dichter Anton Wildgans

Leben und Werk

 
Anton Wildgans wurde am 17. April 1881 in Wien geboren.

Anton Wildgans war von 1909 bis 1911 als Richteramtsanwärter in Wien tätig. Anschließend lebte und arbeitet Wildgans als freier Schriftsteller. In den Jahren 1921/22 und 1930/31 übernahm Anton Wildgans die Direktion des Wiener Burgtheaters.
Er starb am 3. Mai 1932 in Mödling. 

Bekannt ist Anton Wildgans als Lyriker, hatte aber auch mit sozialkritischen Dramen wie "Armut" (1914) und "Dies Irae" (1918) großen Erfolg. Daran konnte er mit dem Werk "Kirbisch" (1927) anschließen.

Die Anton Wildgans Gesellschaft in Mödling pflegt das Werk und das Andenken an den Dichter.

Seit 1962 wird jährlich der von der Vereinigung Österreichischer Industrieller gestiftete Anton Wildgans Preis an österreichische Autoren verliehen.

1a Tafel          zweite Tafel beim Haus

Foto: Haus 1913, Garten mit Familie und Köchin

Sommerfrische
 
Aufenthalt am Sagberg
 
Anton Wildgans verbrachte die Sommermonate 1909, 1910 und 1913 mit seiner Familie im Haus Sagbergstraße 48.
Aus dem Brief von Anton Wildgans vom 18. Juni 1909 an seinen Freund Arthur Trebitsch.

....Uns geht es gut, meine Lilly blüht unter Wiesen, in deren Mitte wir wohnen. Wir sind hier ganz allein – kennen keine Menschenseele, die uns stören könnte. Manchmal kriegen wir Besuch, manchmal fahren wir nach Wien.... Aber wir können kaum die Stunde erwarten, bis wir wieder in unserer Wieseneinsamkeit sind. Wir sind hier beide zu Hause. Diese Gegend ist die meiner früheren Träume vom Land, und das Leben, das wir führen, atmet die Stimmung einer horazischen Ode. ......... 

2. Tafel. Wegbeginn am Waldrand (Bilder: Eröffnung 1931, Plan)

Anton Wildgans Weg

Vom Bahnhof Unter-Tullnerbach zum Sagberg

Den "Anton Wildgans Weg" errichtete anläßlich des 50. Geburtstages des Dichters der Verschönerungsverein Unter-Tullnerbach-Stadlhütte.

Die Wochenzeitung "Wiental-Stimmen" berichtete über das Ereignis.

Nun ging es fieberhaft an die Arbeit. Eine Armee von zwei (!) wegtechnisch geschulten Holzarbeitern wurde mobilisiert und in kürzerer Zeit, als die war, die man zum Bau der Semmeringbahn gebraucht hatte, war der Weg fertig.

Die Eröffnung fand am 11. Oktober 1931 in Anwesenheit von Anton Wildgans und seiner Familie statt. Für die musikalische Umrahmung sorgten Mitglieder der Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Prof. Alexander Wunderer.

Zum 90. Geburtstag von Anton Wildgans erfolgte die Adaptierung des Anton Wildgans Weges durch den Purkersdorfer Stadtgärtner Josef Elsinger.

Bürgermeister Johann Jaunecker übergab den neu gestalteten Weg am 24. Oktober 1970 anläßlich einer Wildgansfeier seiner Bestimmung.

Die Neugestaltung des Anton Wildgans Weges erfolgte durch die Stadtgemeinde Purkersdorf unter Bürgermeister Mag. Karl Schlögl und den Verschönerungsverein Purkersdorf im Jahre 2006. Dipl. Ing. Erich Liehr, Obmann des Verschönerungsvereins und Dr. Christian Matzka, Kustos des Purkersdorfer Museums, bereiteten die thematischen Schautafeln auf. 

3. Tafel (bei Nr. 81) (Bild Wildgans als Spaziergänger aus dem Buch Briefe von A. Wildgans)

Der Weg im Sommer

Der tägliche Spaziergang zur Bahnstation

Anton Wildgans spazierte auf diesem Weg während der Sommer 1909, 1910 und 1913 zur Bahnhaltestelle Unter-Tullnerbach um zu seiner Arbeitsstelle nach Wien zu fahren oder Freunde zu treffen. 
In den Sommermonaten wurde der Wohnsitz in den ländlichen Raum in Stadtnähe verlegt. Die gemietete Sommerwohnung bot die Möglichkeit, dem Beruf weiter in Wien nachzugehen und täglich in den Urlaubsort zu pendeln.
 Seine Ehegattin Lilly Wildgans erinnert sich in ihrem Buch "Der gemeinsame Weg" an den Spaziergang durch den Wald:

"...An der Station vorbei gelangten wir mitten in den Buchenwald. Zu einem grüngoldenen Dom schlossen sich über uns die Zweige zusammen.......Wir mochten etwa zehn Minuten lang durch den Wald gegangen sein, da lichteten sich die Bäume, eine große, sanft abfallende Wiese lag vor uns und an ihrem Rand ein kleines weißes Haus. ......."

4. Tafel (vor Graben Brücke) (Bild Sagberg von D. Halama)

Der Sagberg um 1910

Eine neuer Urlaubsort
 
Der Sagberg ist ein 435 Meter hoher Bergrücken oberhalb des Wientales.Den Namen erhielt der Berg von einer am Fuße des Berges im Wiental errichteten Sägemühle.
 Die Wiesen des Sagberges wurden von der Bahnstation Unter-Tullnerbach ausgehend erschlossen. Die Errichtung dieser Station der Westbahn erfolgte 1873 auf Wunsch der Gemeinden Purkersdorf, Pressbaum, Wolfsgraben, Breitenfurt und Laab im Walde. Sommervillen wurden in der Sagbergstraße gebaut, und die Wohnungen an die Sommerfrischler in den Sommermonaten vermietet. Es entwickelte sich ein reges gesellschaftliches und kulturelles Leben, das auch von den Sommergästen gestaltet wurde. Ein eigener Verschönerungsverein Purkersdorf-Sagberg veranstaltete 1912 den Sagberger Kirtag. Über 1000 Besucher erfreuten sich an der Unterhaltungs-möglichkeit.
 Die Bläser der Wiener Hofoper, Alexander und Hans Wunderer, selbst lange Jahre Sommergäste in Tullnerbach, sorgten für die musikalische Gestaltung.
 

5. Tafel (Nach Kurve bei Kreiner) Bild Purkersdorf Zentrum

Sommerfrische in Purkersdorf

Ein Urlaubs- und Ausflugsort nahe der Großstadt


Purkersdorf galt als die beliebteste Sommerfrische im Wienerwald. Nach dem Bau der Westbahn wuchs die Einwohnerzahl von 1423 im Jahre 1869 auf 3733 im Jahre 1910. Die Häuserzahl stieg im selben Zeitraum von 169 auf 410. Um 1910 wurden 228 Sommerwohnungen angeboten, in denen 3138 Touristen ihren Urlaub verbrachten. Durchschnittlich blieben die Sommergäste 63 Tage. Der Verschönerungsverein Purkersdorf errichtete und markierte Wanderwege und erbaute 1870 die Aussichtswarte am Troppberg. Die Eröffnung der Warte war ein Fest, das sich über zwei Tage erstreckte.

Konzerte für die Sommergäste fanden beim Sängerbrunnen und in den Gasthausgärten statt. Tausende Tagestouristen besuchten die Region und unternahmen Wanderungen, die in den Gasthäusern beendet wurden.

Gäste in Purkersdorf waren die Komponisten Charles Weinberger 1889 und 1890, Emmerich Kalman 1912 und Edmund Eysler 1932 bis 1937.

6. Tafel (Zwischen Kreiner und Graben) (Bild arme Leute )

 Sozialkritik bei Anton Wildgans
 
Anton Wildgans

Die armen Mädchen

In den Gedichten beschäftigt sich Wildgans immer wieder mit dem Schicksal armer Menschen. Das Gedicht "Die armen Mädchen" weist auf die Arbeit und die Lebensumstände der Wäscherinnen hin. Wäsche waschen war eine schwere Handarbeit und führte auch zu gesundheitlichen Problemen.

Ich will ein Lied von den Mädchen singen,

Von den Mädchen des Volkes, die blaß und müd,

Von ihren Reizen, die bald vergingen,

Von ihren Seelen, die nicht mehr schwingen,

Ich will ein Lied von den Mädchen singen,

Um deren Schläfen das Leiden blüht.

Sie haben ihre Kindheit verbracht

In Zimmern, die keine Sonne beschienen,

Sie lebten in Höfen wie in Kaminen,

Wo trübe der Tag und stickig die Nacht.

 
Einmal waren auch ihre Hände

Biegsam und anzufühlen wie Flaum,

Aber die niedrigen Gegenstände,

Ätzende Lauge und beizender Schaum

Schufen sie rissig und schwielig, kaum

Mehr zu erkennen als Mädchenhände.

7. Tafel (kurz vor der Waldstraße vor dem Graben) (Bild Wald Blick Rosen nach Purkersdorf )

Sommer 1909

 
Anton Wildgans
Sommer in Unter-Tullnerbach
 

Lilly Wildgans berichtet über den Sommer 1909:

Dann lagen wir am Wiesenrand im Gras, hatten den weiten Himmel über uns und sahen die Raubvögel ihre Kreise ziehen. Tonis Gedicht: Und dann war Sommer gibt die Stimmung jener Tage, die so viel Erfüllung brachten, wieder.

 Und dann war Sommer (Ausschnitt)
 
Und dann war Sommer – Ganz in Wiesen stand
Das weiße Haus, umschmiegt von Rosenranken.
Von tiefem Summen zitterte das Land.
Bis zu der Wälder schattenblauen Flanken,
Indessen Wind den gärend-hellen Brand
Reifender Saaten kühlte und von schwanken
Wispernden Rispen warme Wölkchen sträubte
Fruchtbaren Duftes, welcher fast betäubte.
O Himmel über uns, zerfließender Opal –
Im Grase liegen, wie auf einer Zille
Dahingetragen, und nur manches Mal
Aufschaun, wenn wolkenfern der weh und schrille
Schrei kreisender Bussarde, fein wie Stahl,
Ein Äderchen der schläfernd-süßen Stille
 
Durchschneidet – und aus Träumen sich besinnen,
Daß uns kein Strom, kein Nachen trug von hinnen.
Und wandern, wenn die Wälder müde sind
Und, sickernd durch der Wipfel dunkle Bauschen,
Das rote Gold die Stämme niederrinnt,
Mit jedem Schritt versinken in das Rauschen
Gehäuften Laubes, wie ein ängstlich Kind
Plötzlich erschauern und ein Wild belauschen,
Die sanfte Tierheit solchen stummen Wesens
Wie Lust verspürend nahenden Genesens.
Dann, durch den blauen Rauch der Wiesen hin,
Schritten wir still zu unserm Haus in Rosen.
 

8. Tafel (bei ehem. Schranken) (Foto Pendler) 

Rückkehr aus der Großstadt Wien

Tägliche Wiedersehensfreude

Im Sommer 1909 fuhr Anton Wildgans täglich nach Wien zu seiner Dienststelle am Bezirksgericht Josefstadt.

Seine Gattin Lilly verbrachte die Werktage allein in der Sommerwohnung am Sagberg.

Sie erinnert sich an diese Zeit.  Zwischen drei und vier Uhr am Nachmittag kehrte Anton Wildgans nach Unter-Tullnerbach zurück. Die ankommenden Züge konnten vom Haus am Sagberg beobachtet werden.

Als verabredetes Zeichen ließ Toni sein Taschentuch flattern, und ich – bereits auf dem Sprung – raste dann los und konnte tatsächlich bis zum Bahnübergang unmittelbar bei der Station gelangen. Meist war der Schranken noch geschlossen, Toni stand auf der einen Seite, ich auf der anderen, und nur zögernd gab das gemächlich hinaufgewundene Hindernis den Weg zueinander frei. In welch inniger Freude schritten wir dann durch den Wald unserem Hause zu!  

 9. Tafel entlang der Bahn (Bild Zimmer )

In der Mansarde zu Unter-Tullnerbach 1913

Die Familie Wildgans verbrachte den Sommer 1913 mit dem neugeborenen Sohn in der Wohnung am Sagberg. Um arbeiten zu können, wurde die Mansarde im Nachbarhaus gemietet.

Seine Ehegattin Lilly Wildgans stellt den Zusammenhang zu seinen Werken her: 

Aber die fast übergroße Besorgtheit, mit der er fast stündlich das Wohl und Wehe seines Sohnes verfolgte, ließ ihn keine innere Ruhe finden. Das Gedicht "Phantastische Nacht" gewährt einen kleinen Einblick in das brodelnde Chaos seines damaligen Seelenzustandes.

 
Phantastische Nacht (Ausschnitt)
 
Am Bahndamm unten läutet ein Signal,
Dreimal drei Schläge! – Wieder tiefe Stille.
Doch nun ein Brausen, und mit einemmal
Um Waldes Biegung nieder in das Tal
Ein Riesenwurm mit greller Feuerbrille!
Aus Eisennüstern Gischt und Purpurstrahl,
Ein jubelnd stürmender Gigantenwille,
Von Raum und Zeit, von Schwere und vom Fall
Die ewigen Gesetze aufzuheben –
Und Menschen lenken ihn! Das ist das Leben!!
   

10. Tafel (entlang der Bahn) (Bild Landkarte vom Zerfall der Monarchie)

Der Österreicher Anton Wildgans

Der Zerfall von Österreich–Ungarn in die Nachfolgestaaten war auch für Wildgans ein prägendes Ereignis. Der Kleinstaat Österreich, an dessen Selbstständigkeit wenige Menschen glaubten, hatte sich gegen die Anschlussbestrebungen in Deutschland und in Österreich zu behaupten.

Österreichisches Credo (Ausschnitt)

Klein bist du zwar, mein Vaterland, geworden,

Ein Baum, entblättert durch der Zeiten Sturm.

Sieht deine Grenzen doch nach Ost und Norden

Beinah der Wächter jetzt vom Stephansturm.

Anton Wildgans war ein entschiedener Verfechter der Eigenständigkeit Österreichs in der Ersten Republik. Wildgans betonte in seinen Werken immer die von Deutschland unterschiedliche übernationale und interkulturelle Entwicklung, die zu einer speziellen österreichischen Kultur führte.
  
11. Tafel Bei Fußgängerbrücke (Plan)
 
Sommerwohnungssuche
 
Mai 1909
 Im Mai 1909 suchten Anton und Lilly Wildgans eine Sommerwohnung. Durch Mundpropaganda war ihnen Pressbaum als Sommerfrische bekannt. Sie setzten sich in Wien in den Zug und fuhren los.
 
Lilly Wildgans erinnert sich:

Auf einmal hielt der Zug mitten im Wald.....Aber als wir uns hinausbeugten, sahen wir ein langgestrecktes, einfaches Stationsgebäude, und darauf war zu lesen Unter-Tullnerbach.

Die beiden stiegen aus und trafen auf der staubigen Landstraße einen Mann, der ihnen in seinem Haus eine freie Sommerwohnung anbot. Sie gingen durch den Wald und kamen zu dem Haus in der Sagbergstraße.

Ringsum wellten sich die blühenden Wiesen bis hinunter an den Bahndamm; jenseits der Talsohle dehnte sich in allen Schattierungen von Grün der weite Wienerwald mit seinen Hügeln und Bergen. Unser Traum war erfüllt!

12. Tafel bei Bahnaufgang bei Tiapal , Bild: Plan und Portrait von Wildgans

 Anton Wildgans Weg
 

Anton Wildgans verbrachte die Sommer 1909, 1910 und 1913 im Haus Sagbergstraße 48. Der Weg von der Station Unter-Tullnerbach zu seinem Wohnhaus heißt seit 1931 Anton Wildgans Weg. 

 2006 gestalteten die Stadtgemeinde und der Verschönerungsverein Purkersdorf den Weg neu.

Der Weg beginnt beim Fußgängerübergang über die Eisenbahn am Bahnsteig in Fahrtrichtung St. Pölten.

 


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Letzte Änderung: 2010-03-14 - Stichwort - Sitemap

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