In der Monarchie waren die Verbindungen nach Norden und Süden wesentlich wichtiger als nach Westen. Nach Norden zu den polnischen Kohlegruben und nach Süden zum Hafen von Triest und damit zum Meereszugang. 1851 wurde ein Staatsvertrag mit Bayern geschlossen, der den Bau einer Bahnverbindung zwischen München und Wien zum Ziel hatte. Da die wirtschaftliche und militärische Notwendigkeit nicht besonders groß war, gab es Verzögerungen beim Baubeginn. Die Hochzeit von Franz Josef und Elisabeth 1854 hat vielleicht doch etwas bewirkt und so kam es 1856 zum Baubeginn der Westbahn in Rekawinkel.
Aus militärischer Erwägungen, die beim Bahnbau ein wesentlicher Punkt waren, wurde die Bahn nicht enlang der Donau geführt (in Kanonenschussweite vom nördlichen Donauufer), sondern in sicherer Entfernung durch den Wienerwald. Das erforderte zahlreiche Tunnelbauten und Viadukte. 1854 wurde der Bau der Semmeringbahn vollendet. Damit war eine große Zahl von Arbeitern beschäftigungslos. Um zu vermeiden, dass sie vielleicht eine Revolution anzettelten, wurden sie für den Bau der Westbahn eingesetzt. So waren bis zu 4000 Arbeiter im Raum Purkersdorf tätig. Der Betrieb der Ziegelbrennerei am Ziegelfeld, den man ca. 1800 eingestellt hatte, wurde wieder aufgenommen und es wurden Steinbrüche errichtet. Die Bauzeit der Strecke Wien-Linz betrug nur zwei Jahre! Am 15. Dezember 1858 fand die erste Fahrt statt.
Die Bahn wurde von einer privaten Eisenbahngesellschaft erbaut und 1884 verstaatlicht.
Das Bild, eine Lithographie von Johann Varrone aus dem Jahr 1859, zeigt die gerade gebaute Bahnstrecke aus Richtung Nordosten gegen Purkersdorf. Wir sehen, dass der Bahnhof damals weit außerhalb des Ortes gelegen ist und über die Bahnhofstraße verbunden war. Im Vordergrund der gerade trockengelegte Wienfluß, der vor dem Bahnbau in großzügigen Mäandern durch die Landschaft floss (In der Au ) und nun auf der anderen Seite der Bahn in ein schnurgerades Flussbett gezwängt wurde (siehe auch: Überblendbild Wienfluss-Verlauf 1824-2024).
Der Bahnhof Purkersdorf in Bildmitte (anfangs die einzige Station in Purkersdorf) bestand aus vier großen Gebäuden, links das Aufnahmsgebäude, dann die Brückenmeisterei, die Wasserstation und das Heizhaus.
Weiter rechts im Hintergrund das Anwesen der Landgräfin Charlotte von Fürstenberg (Herrengasse 8), die ihren Anteil daran hatte, dass der Bahnhof ausserhalb des Ortes liegen musste, um ihre Länderein nicht zu beeinträchtigen. Ganz rechts dann der Gasthof der alten Poststation am Anfang der Wintergasse, Herrengasse 17. Beide Bauten sind bis heute erhalten.
Grundlage für diese Seite ist eine Veranstaltung der VHS Purkersdorf von Dr. Christian Matzka und Gerhard Bürgmann.